Eltern sein rundum die Welt

 

Wie ist das Leben mit Kindern im Südtirol, Italien?
Paula ist Bäuerin und lebt mit ihrem Mann Thomas und ihren fünf Kindern im Alter von 12 bis 23 Jahren auf dem Funtnatscherhof, der auf 950m mitten in der Natur der Südtiroler Bergwelt liegt. Paula und ihre Familie vermieten auf dem Funtnatscherhof fünf Ferienwohnungen für Menschen, die gerne die bäuerliche Tradition kennenlernen möchten, naturverbunden sind und eine liebevolle Gastfreundschaft schätzen.

Liebe Paula, erzählst du uns deine Geschichte?
Ich bin in Völs am Schlern auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen. Ich habe als Erzieherin im Kindergarten gearbeitet und mit 26 Jahren habe ich einen Bauer aus dem Dorf geheiratet. Ich wollte eigentlich nie Bäuerin werden. Unser Hof liegt am Fusse des Schlerns, inmitten der Dolomiten, dem Unesco Weltnaturerbe. Wir haben einen Viehbetrieb mit 15 Milchkühen, Kälbern, Hennen, zwei Schweinen, zwei Hasen, unserem Pferd Otto und zwei Katzen. Unsere Milch wird jeden Tag vom Milchwagen abgeholt und in einem Milchhof in der Nähe zu leckerem Käse, Butter und Joghurt verarbeitet. Ich mache mir meinen Joghurt auf dem Hof selbst. Diesen lieben meine Kinder und auch unsere Gäste. Unsere Ferienwohnungen vermarkten wir über den Roten Hahn. Die Marke „Roter Hahn“ steht für Qualität und authentisches Reisen und präsentiert Bauernhöfe aus allen Landesteilen, die auf ihren Höfen zum Urlaub und Genuss im bäuerlichen Ambiente einladen.

Wie hast du deine Schwangerschaft erlebt?
Meine Kinder sind alle im Krankenhaus auf die Welt gekommen. Ich habe mich gut betreut gefühlt von den Hebammen, Frauenärzten und Kinderärzten. Unsere Jüngsten sind Zwillinge die kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Die Nachbetreuung zu Hause, war da ebenfalls sehr gut.

Wie sah es bei euch mit der Kinderbetreuung aus, als die Kinder klein waren?
Da ich als Erzieherin eine öffentliche Stelle hatte, konnte ich drei Jahre für jedes Kind zu Hause bleiben. Das erste Jahr noch mit, die zwei weiteren Jahre dann ohne Gehalt, aber die Stelle blieb mir erhalten und die Rentenversicherung wurde eingezahlt. Somit konnte ich die Kinder bis zum Kindergartenalter selber betreuen und habe auch nebenher immer auf dem Hof mitgearbeitet. Als ich dann wieder im Kindergarten gearbeitet habe, hat mein Mann die Kinder versorgt, wenn sie aus der Schule kamen. In den Ferienzeiten hatte ich auch immer Ferien und war somit wieder selbst bei den Kindern.

Und heute?
Mittlerweile haben wir unser Urlaubsangebot auf dem Bauernhofbetrieb erweitert und haben vier Ferienwohnungen hochwertig saniert. Zudem biete ich Frühstück mit vielen selbstgemachten Produkten an sowie Produkte im Verkauf. Wenn es meine Zeit zulässt, gehe ich gerne mit meinen Gästen wandern und zeige ihnen die schöne Bergwelt. Meine Umgebung kenne ich sehr gut, weil ich selber auch sehr gerne wandere und immer wieder Neues entdecke. Damit ich mich voll und ganz darauf konzentrieren konnte, habe ich die Arbeit als Erzieherin gekündigt und kümmere mich nun um den Hof, die Gäste und meine Familie. Ich freue mich, wenn ich auch für mich mal Zeit finde, um zu wandern oder einen Kurs zu besuchen.

Kannst du uns etwas über die Vorteile erzählen, wenn man mit Kindern auf einem Bauernhof lebt?
Die Arbeit auf dem Hof lässt sich sehr gut mit der Familie vereinbaren. Ich bin immer da, wenn mich die Kinder brauchen, ich kann mir die Arbeit selbst einteilen und das weiss ich sehr zu schätzen. Auch wenn ich mit meinen Freundinnen darüber spreche, was sie bei einem Bauernhof schätzen, ist das erste immer, dass die Arbeitsstelle daheim ist und man sich selbst um die Kinder kümmern kann. Es fällt zwar, neben dem Gästebetreuen, den Büroarbeiten usw. sehr viel Arbeit an, aber es macht mir riesengrossen Spass.

Als Bauer bekommt man keine Teilzeit oder Vaterschaftszeit. Als Bäuerin bekommt man Geburtengeld. Da wir als Eltern aber beide zu Hause arbeiten, sind immer beide für die Kinder da. Es gibt natürlich viel Arbeit auf dem Hof aber viele Arbeiten werden gemeinsam erledigt, die Kinder helfen auch mit, z. B. im Stall oder bei der Heuernte, im Garten und bei den Gästen. Da wir die Arbeit selber einteilen können, versuchen wir, das auch mit den Bedürfnissen der Kinder gut zu vereinbaren. Thomas, mein Mann, ist mehr mit der Arbeit auf dem Hof beschäftigt. Ich mache mehr Hausarbeit, wie Kochen, Waschen usw.

Untertags, wenn die Kinder in der Schule sind, arbeiten wir auf dem Hof, im Garten und im Haus. Mittags, wenn die Kinder aus der Schule kommen, bin ich gerne bei ihnen. Wir essen zusammen, dann bringe ich sie zum Fussball oder in die Musikschule, helfe bei den Hausaufgaben oder wir setzten und in die Sonne und erzählen uns vom Tag.

Wie regelt ihr die Betreuung in den Schulferien?
Da wir beide zu Hause arbeiten brauchen wir keine Fremdbetreuung während der Ferienzeiten. Unser Urlaub fällt meist sehr knapp aus. Ich fahr so alle zwei Jahre mal ein paar Tage ans Meer mit den Kindern. Im Sommer gibt es aber viel zu tun auf dem Hof und wir haben die Gäste, die zu uns kommen. So gehen wir gerne im nahegelegenen Völser Weiher zum Schwimmen oder wandern in unseren schönen Bergen. Im Winter fahren wir Ski auf der nahegelegenen Seiser Alm. Wie auch die Gäste, die bei uns Urlaub machen, versuchen wir den Ausgleich in der Natur zu finden. Südtirol hat da einiges zu bieten: wunderschöne Seen, Wanderungen, Gipfel und Vieles mehr. Unser Hof liegt am Fusse des Schlerns und dort oben kann man die wunderschöne Aussicht geniessen, mal so richtig durchatmen und dann wieder voller Energie durchstarten.

Gibt es ein typisches Kinderessen in eurer Region?
Ich habe alle meine Kinder lange gestillt. Die Beikost mit fünf Monaten habe ich meist aus dem Gemüse von meinem Garten selbst zubereitet. Auch das Fleisch haben wir von unseren eigenen Tieren. Als typisches Essen für unsere Region gilt der Knödel. Das können kleine Kinder schon ziemlich früh essen.

Was gefällt dir besonders am Leben im Südtirol, was vielleicht doch eher weniger?
In Südtirol scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne. Alle vier Jahreszeiten haben Wunderbares zu bieten: die prachtvolle Blüte im Frühjahr, die schönen Sommertage auf den Bergen und an den Seen, den farbenfrohen Herbst und die schönen, kalten Wintertage auf den Pisten und den kilometerlangen Winterwanderwegen. Südtirol ist die nördlichste Provinz von Italien, aber unsere Muttersprache ist deutsch. 15km entfernt ist die Hauptstadt Bozen, in welcher man das italienische Flair findet. In Südtirol hat man alles, was man für ein gutes Leben braucht: Ruhe, Natur, gute Luft und nette Leute. Man kann viele verschieden Sportarten ausüben, man kann studieren, arbeiten, es gibt viele Veranstaltungen, Kultur, Theater und Konzerte. Manchmal kann es dann schon ein wenig eng werden. Im Dorf kennt Jeder Jeden und das kann manchmal auch ein Nachteil sein. Ich denke aber, ich könnte nirgends anderes leben, meine Familie und meine Freunde sind hier - und mein Hof.

Liebe Paula, vielen Dank für die spannenden Antworten!