Eltern sein rund um die Welt

 

Wie ist das Leben mit Kindern in Mexiko-Stadt?
Berdien ist Autorin des Blogs www.bejewly.de. Sie ist gebürtige Bayerin, Mutter dreier Töchter im Alter von 2, 5 und 7 Jahren und lebt in Mexiko-Stadt. Zu ihrem Leben in Mexiko hat sie bereits ganz viele Fragen auf www.mami-bloggt.de beantwortet. Das spannende Interview könnt ihr hier nachlesen. Uns brannten noch ein paar weitere Fragen unter den Nägeln, die wir ihr für unsere Reihe “Eltern sein rund um die Welt” gestellt haben.

Liebe Berdien, erzählst du uns deine Geschichte und wie du nach Mexiko gekommen bist?
Mein Mann ist Diplomat und wir leben seit 1,5 Jahren in Mexiko-Stadt, unserem ersten Auslandsposten. Wir bleiben voraussichtlich noch weitere 1,5 Jahre hier, hätten aber die Option, noch um ein weiteres Jahr zu verlängern. Danach geht es weiter. Wohin, das wissen wir noch nicht. Unsere Basis ist aber Berlin, dahin geht es immer wieder zurück. Über unser Leben blogge ich auf www.bejewly.de.

Wie funktioniert die Kinderbetreuung in Mexiko-Stadt?
Zwei meiner Kinder gehen in den Deutschen Kindergarten hier. Meine grosse Tochter geht in die ersten Klasse der deutschen Schule. Die zwei Grossen werden vom Schulbus um 7 Uhr abgeholt und um 14 Uhr wieder gebracht. Die Kleine bleibt von 8.30h Uhr bis 13 Uhr in der Betreuung. Alle Kinder haben noch nicht Mittag gegessen, wenn sie nach Hause kommen und die Kleine auch noch nicht geschlafen. Üblicherweise geht der Kindergarten hier nur bis 13.30 Uhr, es gibt aber auch die Möglichkeit für eine längere Betreuung.

Wie sieht es mit der Eingewöhnung aus?
Die Eingewöhnung ist hier eher nicht vorhanden. Bei der Kleinen im Maternal war es möglich, ein paar Tage lang ein paar Stunden dabei zu sein. Von den „Grossen“ wurde ab dem ersten Tag erwartet, dass sie alleine in den neuen Kindergarten gehen. Im Vergleich zu Berlin, wo nach dem Berliner Modell eingewöhnt wird, kam mir das ein wenig herzlos vor.

Gibt es noch andere Betreuungsmöglichkeiten? Ist etwas besonders üblich?
Viele Familien, wie wir auch, haben eine Nana (eine Kinderfrau). Das gibt einem an einem Ort, an dem man keine Familie hat, ein bisschen Freiheit und Flexibilität.

Kannst du uns ein bisschen etwas über die Kindererziehung in Mexiko erzählen? Fallen dir da irgendwelche Unterschiede gegenüber Deutschland auf?
Tatsächlich fällt mir an erster Stelle ein, dass die Kinder besonders hübsch aussehen sollen. Immer schön sauber und mit ordentlichen Haaren (die Mädchen mit Schleifchen). Ob die hübschen Klamotten dabei bequem oder praktisch sind, ist egal. Sie werden, wenn möglich, immer reich beschenkt und ich war schon in vielen Kinderzimmern, in denen das Plastik-Spielzeug und die Kuscheltiere kaum noch Platz hatten. Das ist aber natürlich schichtabhängig. Süssigkeiten und Medienkonsum sind ein Thema, das mir hier häufig aufstösst.

Generell sind Kinder hier ein Stück „normaler“, als in Deutschland. Sie sind gern gesehen und immer willkommen. Deswegen bekommen die Menschen wahrscheinlich auch viel mehr Kinder als in Deutschland.

Wie funktioniert das Schulsystem?
Die Grundschule hier ist anders. Die Kinder haben von Beginn an sechs Stunden am Tag Unterricht. Sie werden auch direkt benotet, was meiner Meinung nach total überflüssig ist! Es gibt ab der 2. Klasse nachmittags Hausaufgabenbetreuung und in unserer Schule auch eine Kantine, in der sich die Kinder etwas zum Essen holen können. Der Kindergarten beginnt üblicherweise mit zwei Jahren. Es gibt aber auch Einrichtungen, die schon mit ein paar Monaten starten.

Wie ist die Zeit nach der Geburt geregelt? 
Gibt es einen Mutterschaftsurlaub oder eine Elternzeit?
Allgemein lässt sich schwer sagen, wie es hier geregelt ist. Es gibt 90 Tage gesetzlichen, bezahlten Mutterschaftsurlaub, den man um die Geburt nehmen kann. Danach gibt es keinerlei Unterstützung mehr, weshalb die meisten Frauen direkt wieder anfangen zu arbeiten. Männer bleiben hier nicht zu Hause. Wenn die Familie es sich leisten kann, bleibt die Mutter zu Hause, oder man hat eine Nanny, die sich um das Baby kümmert. Ansonsten springt die Familie ein. Es gibt auch einzelne Kinderkrippen für Kinder unter zwei Jahren, aber dies ist bei Weitem nicht so verbreitet, wie in Deutschland und ausserdem sehr teuer! Dass der Vater zu Hause ist oder Teilzeit arbeitet, habe ich hier noch nicht gehört.

Wie kinderfreundlich empfindest du Mexiko-Stadt?
Das Leben mit kleinen Kindern in Mexiko ist schön. Die Mexikaner sind ein unglaublich kinderfreundliches Volk, und Kinder gehören hier im Alltag viel mehr dazu. In vielen Restaurants gibt es Spielbereiche oder eine Kinderbetreuung, keiner schaut schräg, alle sind freundlich und vor allem hilfsbereit. Ich geniesse das sehr!

Für Kinder wird hier viel geboten, es gibt einige Spielplätze, Museen und Cafés. Ob sich jedoch ältere Kinder hier in der Stadt wohl fühlen, weiss ich nicht. Sich alleine zu bewegen, ins Kino zu gehen, zu Freunden oder raus zum Spielen: all das geht hier aufgrund der schlechten Sicherheitslage nicht.

Wie sieht es mit den Schulferien aus? Gibt es da Betreuungsmöglichkeiten?
Mexikanische Kinder haben viel und lange Ferien. Wie sich das mit dem gesetzlichen Mindestanspruch von 6 Tagen Urlaub im Jahr der Eltern verträgt, kann ich mir nicht erklären. Es gibt viele Ferienangebote für Kinder, die aber wieder eine Frage des Preises sind. Ich denke, dass auch hier häufig die Familie aushilft.

Kannst du uns etwas über das Essen in Mexiko-Stadt erzählen?
Gibt es ein typisches Kinderessen?
Das Essen hier ist sehr lecker, aber auch gewöhnungsbedürftig. Es gibt viel leckeres Obst und Gemüse, das geniessen wir sehr. Die Mexikaner essen gerne scharf und nehmen häufig Salsas zu ihrem Essen. Ein typisches Kinderessen gibt es so nicht. Kindermenüs sind hier ähnlich wie in Deutschland: Chicken Nuggets, Spaghetti und Co. Leider sind Süssigkeiten und Zucker hier allgegenwärtig. Mir scheint, das Bewusstsein für gesundes Essen ist oft nicht vorhanden - nicht umsonst sind 70% der Mexikaner übergewichtig und Diabetes Typ 2 ist die Volkskrankheit Nr. 1.

Was gefällt dir besonders am Leben mit Kindern in Mexiko-Stadt?
Ich liebe es sehr, dass jeden Tag die Sonne scheint, auch in der Regenzeit. Die Menschen sind so freundlich, vor allem zu Kindern. Kinder gehören hier zum Leben dazu und sind völlig selbstverständlich.

Und gibt es etwas, dass dir gar nicht gefällt?
Das fehlende Bewusstsein für Umweltschutz! Beim Einkaufen wird selbstverständlich alles in Plastiktüten gepackt, der Müll wird nicht getrennt, es werden die dicksten Autos gefahren, mit Holz oder Diesel geheizt, obwohl es verboten ist und so weiter. Damit kann und will ich mich nicht anfreunden und ich versuche auch, aktiv dagegen zu steuern, wo ich kann. Abgesehen davon ist der Verkehr verrückt und auch nach 1,5 Jahren kann ich mich nicht daran gewöhnen.

Liebe Berdien, vielen Dank für die spannenden Einsichten in das Leben in Mexiko-Stadt!